Interview mit mir selbst

Portrait Anja Tödtmann, design doctors

Wer bin ich eigentlich? Und was mache ich so die ganze Zeit?
Ich habe mir selbst ein paar Fragen gestellt…

Anja, du bist Grafikdesigner. Welche Ausbildung hast Du?

Ich habe in Düsseldorf Visuelle Kommunikation mit dem Schwerpunkt Grafikdesign & Illustration studiert. Das Studium war zunächst sehr handwerklich aufgebaut – ich habe viele verschiedene Techniken erlernt, die bis heute eine ganz wunderbare Grundlage für meine Arbeit sind. Da war von Radierungen, Aktzeichnen, Farbenlehre, Fotografie, Typografie bis zur Druck- und Satztechnik wirklich alles dabei. Weitere Schwerpunkte waren dann Konzept, Ideenentwicklung, Präsentation und Gestaltungsgrundlagen.
Ich hatte viele fantastische Professoren, zum Beispiel Wolf Erlbruch (kennt ihr bestimmt vom kleinen Maulwurf…). Ganz zu Beginn musste ich tatsächlich auch noch ohne Computer auskommen und die einzelnen Buchstaben kopieren, ausschneiden und zu einem Layout zusammenkleben. Wenn Dir da zuhause ein kleines „e“ verloren geht, kannst Du Dich gleich wieder auf den Weg zum Copyshop machen. Du kannst Dir also vorstellen, wie sehr ich das Werkzeug Computer zu schätzen weiß! Trotzdem kann ich auch zeichnen und so meinen Kunden ganz einfach ein paar Ideen skizzieren, während wir zusammen Konzepte entwickeln. Das ist oft sehr hilfreich, weil man gleich über diese ersten Ideen sprechen kann, ohne sie komplett umsetzen zu müssen.

Wie hat denn überhaupt alles angefangen?

Kann man ja nie so genau sagen, aber ich habe immer nach dem Kindergarten und auch noch in der Grundschulzeit auf dem Rückweg meinen Vater in dessen Schreibwarengeschäft besucht. Dort hatte ich einen eigenen Schreibtisch, an dem ich ausgiebig gemalt und gebastelt habe. Für mich war das das Paradies schlechthin: stapelweise wunderschönes Papier, alle Farben der Welt in Form von Buntstiften, Wasserfarben, Filzstiften und Bleistifte, Radiergummis, Kleber, Scheren – schön sortiert in Schubladen und Kästen. Ich hätte ALLES brauchen können. Noch heute bin ich atemlos begeistert, wenn ich in solchen Geschäften stehe und mir die Farben und Materialien anschaue… 

Wie ging es nach dem Studium weiter? Aber nur kurz bitte.

Ok. Mit meinem Diplom in der Tasche hat man mir eine Position als Werbeleiterin in einem Industrieunternehmen angeboten. Das war dann schon ein Sprung ins eiskalte Wasser, so ganz ohne Berufserfahrung. Ich war erfolgreich und es hat mir – auch wenn es oft sehr anstrengend war – unglaublich viel Spaß gemacht. Ich habe so vielfältige Erfahrungen sammeln können – das wäre in einer klassischen Werbeagentur für mich nicht möglich gewesen. War ja schließlich wirklich alles dabei: von Gestaltung, Mitarbeiterführung, Messeorganisation bis Budgetplanung, Webdesign und Anzeigenkonzeption.
Meine Abteilung ist dann immer weiter gewachsen und ich musste den Bereich Gestaltung zu sehr aus der Hand geben, daher habe ich dann als Atelierleiterin in einer kleinen Werbeagentur angefangen. In den folgenden Jahren habe ich viele unterschiedliche Projekte gestaltet: Logos, Broschüren, Mailings, Anzeigen, Verpackungen, Visitenkarten, Plakate, Displays und, und, und. Der Vorteil einer kleinen Agentur war für mich, dass ich meine Arbeiten auch immer selbst präsentieren und mit den Kunden besprechen konnte. Der Kontakt und Austausch ist mir sehr wichtig. Es ist schön, die Dinge mit dem Kunden gemeinsam zu entwickeln. Design ist immer ein Prozess und zuhören und nachfragen gehören einfach dazu.
Ja, und dann war die Zeit reif, mich selbstständig zu machen… Ich wollte gerne meine eigene Chefin sein, meine Zeit besser selbst einteilen und dann das Ganze auch noch mit Familie unter einen Hut bekommen. Das ist jetzt tatsächlich schon fast 16 Jahre her, unglaublich!

Was ist denn die Essenz deiner Arbeit? Bring das mal auf den Punkt

Erste Hilfe in Sachen Design. Ich unterstütze Unternehmen und Selbstständige dabei, ihre Außenwirkung zu optimieren. Ich berate, räume auf und schaffe Platz für wirksame Gestaltung. Meine Schwerpunkte sind Corporate Design und Webdesign mit WordPress.. Klingt jetzt sehr minimalistisch, aber Du wolltest es ja kurz haben…

Woher kommen die Ideen? Was inspiriert dich?

Ganz einfach: absolut und tatsächlich wirklich alles, was ich so den lieben, langen Tag aufsauge (Farben, Stimmungen, Dinge, Worte, Formen) und irgendwo in einem (möglicherweise etwas chaotischen) Teil meines Gehirns speichern kann. Das muss dort dann ein wenig ruhen, schmoren, sich neu zusammenfinden und regelmässig tauchen dann Ideen auf, die dann dringend und sofort umgesetzt werden wollen.

Und sonst so? Was machst du, wenn du nicht arbeitest?

Ich kümmere mich um meine Familie, unser Haus und unseren Garten. Ich liebe Yoga und das schon seit vielen, vielen Jahren. Zur Zeit praktiziere ich über eine Online-Plattform – das ist so schön flexibel. Ich gehe sehr gerne essen, liebe Museen und bin viel mit meinem Fahrrad unterwegs. Ach ja, dann ist da ja auch noch meine Ukulele. Wird Zeit, wieder ein wenig zu üben…

Vielen Dank für den Einblick.

Ich habe zu danken. :)

© Fotos: Tanja Deuß, www.knusperfarben.de